Zusammen Zukunft erleben

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Gespeichert von Arno Bauermeister am 17. September 2021
Podium
16. September 2021

Zusammen Zukunft erleben

Erfahrungen aus 60 Jahren deutsch-türkischem Anwerbeabkommen

Die Ausstellung „Wir sind von hier“ des türkischen Fotografen Ergun Çağatay zeigt die Lebenswirklichkeit von Türkischstämmigen in Deutschland im Jahr 1990. In Berlin sprachen wir unter dem Titel „Zusammen Zukunft erleben“ über Erfahrungen aus 60 Jahren deutsch-türkischem Anwerbeabkommen. Mit dabei u.a. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp, der neue türkische Botschafter Ahmet Başar Şen, Integrationsforscher Hacı-Halil Uslucan, Staatssekretärin Serap Güler uvm.

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Der Mut, in einem völlig fremden Land zu wohnen, war größer als die Sorge, ohne Familie und mit einer fremden Spache zurecht zu kommen. Ich verneige mich vor der großen Lebensleistung dieser Generation. (Joachim Stamp)


Vor 60 Jahren, am 30. Oktober 1961, unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei in Bad Godesberg das so genannte Anwerbeabkommen. Bis zum Anwerbestopp 1973 kamen über eine dreiviertel Millionen türkische Arbeitskräfte nach Deutschland. Viele Menschen blieben, wurden heimisch, brachten auch ihre Heimat mit und haben das Leben in Deutschland mitgestaltet und mitgeprägt. Die Landesvertretung nahm dies zum Anlass, die Erfahrungen aus 60 Jahren deutsch-türkischem Anwerbeabkommen zu beleuchten und einen Blick in Gegenwart und Zukunft zu wagen.

In seiner Eröffnungsstatement würdigte der stellvertretende Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration Dr. Joachim Stamp die Lebensleistung der ersten Einwanderergeneration. Eine Lebensleistung, die viel zu wenig wahrgenommen und gewürdigt wird. Es ist an der Zeit, dies zu tun, sagte Minister Stamp.

Wir fühlen uns als Nordrhein-Westfalen besonders verbunden mit diesem Teil bundesrepublikanischer Geschichte. Heute leben 2,8 Millionen türkeistämmige Bürger in Deutschland, jeder Dritte, nämlich 950.000 in Nordrhein-Westfalen. Die erste Einwanderergeneration kam mit Träumen, Hoffnung, Neugierde und Abenteuerlust. Sie wollte Geld ansparen, vielleicht in der Heimat später ein Haus bauen und vor allem die Kinder wieder sehen. Die Lebenswirklichkeit, daran erinnerte Stamp, glich aber über Jahre auch einer Art Warteschleife zwischen Suchen und Finden, manchmal hin- und hergerissen zwischen dem Zurückgehenwollen und dem Annehmen einer zweiten Heimat bei uns. Dabei gibt es nicht die eine Geschichte, die für die erste Einwanderergeneration steht, sondern ganz individuelle Wege.

Die persönlichen und Familiengeschichten sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft es auch ist. Gemeinsam ist aber das Nutzen von Chancen. Stamp zeigte sich dankbar, dass die meisten sich entschieden haben zu bleiben. Sie haben für Gesellschaft und Wirtschaft Unverzichtbares geleistet, hart gearbeitet, mit viel Fleiß, Disziplin und unter schwierigen Bedingungen. Damit haben sie den Wohlstand des Landes gemehrt und auch selbst einen persönlichen Aufstieg geschafft. In Vereinen, in der Kultur, im Sport haben sie das gesellschaftliche Leben mitgestaltet. Dies verdient Anerkennung und Respekt unserer Gesellschaft. Es gilt nach Stamp, die Geschichte Türkischstämmiger stärker zu würdigen, öffentlich sichtbar zu machen und ins Gedächtsnis zu rufen. Dazu leistet die Fotoausstellung mit den Aufnahmen von Ergun Çağatay einen wichtigen und ganz konkreten, sichtbaren Beitrag.

Die Geschichte der Einwanderer ist laut Stamp aber auch Auftrag, an einer besseren Zukunft zu arbeiten, wo Vielfalt und Chancen ein zentraler Wert sind. Es darf nicht sein, dass Enkel und Urenkel, die hier geboren sind, nach wie vor kritisch beäugt werden, sei es bei der Wohnungssuche oder auf dem Arbeitsmarkt. Wie schulden es dieser ersten Einwanderergeneration, dass wir den Nachkommen die Chancen eröffnen, die ihnen zustehen. Diese Zukunft ist der Landesregierung Nordrhein-Westfalen wichtig. Mit der Wertschätzungskampagne #IchDuWirNRW bekommen kleine und große Vorbilder für Integration ein Gesicht. Wichtig sind auch Orte des Dialogs und der Begegnung. So fördert die Landesregierung seit vielen Jahren das Dokumentationszentrum über Mirgration in Deutschland DOMID in Köln-Ehrenfeld. Dieses sammelt seit 1990 sozial-, kultur- und alltagsgeschichtliche Zeugnisse über sämtliche Formen der Migration nach Deutschland und organisiert Führungen und Workshops. Mit dem „Haus der Einwanderungsgesellschaft“ wird das europaweit größte Migrationsmuseum ebenfalls nach Köln kommen. Dort soll ein Ort für Dauer- und Wechselausstellungen und eine Bildungsstätte entstehen. Sie soll zeigen wie sich Migration in die deutsche Geschichte eingeschrieben hat und unser gesellschaftliches Zusammenleben prägt.

Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium hat zudem dem Film „Gleis 11“ über die erste Einwanderergeneration beauftragt. Darin erzählt Regisseur Cagdas Yüksel die Geschichte seines Großvaters. Dieser kam mit anderen Türken, aber auch Italienern. Sie kamen als angeworbene Arbeitsmigranten in München auf Gleis 11 an. Von dort wurden sie über eine eigens eingerichtete „Weiterleitungsstelle“ auf die verschiedenen Städte des Ruhrgebiets verteilt.

Nordrhein-Westfalen, bilanzierte Minister Stamp, ist der Motor der Integrationspolitik in Deutschland. Die Geschichte der Zuwanderung ist aber auch Verpflichtung für die Zukunft. Alle Menschen, die bei uns leben, müssen eine Chance auf Aufstieg und Teilhabe bekommen. Deshalb investiert das Land massiv in Bildung von früher Kindheit an und investiert besonders in schwierige Stadtteile. Zwei weitere Beispiele für das Engagement des Landes sind das Modellprojekt „Guter Lebensabend NRW“ für eine kultursensible Altenhilfe und -pflege für Senioren mit Zuwanderungsgeschichte sowie der Vorstoß des Landes im Bundesrat für eine Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts. Diese will mehr Mehrstaatlichkeit ermöglichen. Menschen, die sich für unser Zusammenleben eingebracht haben, soll damit der Schritt in die deutsche Staatsangehörigkeit erleichtert werden. Nordrhein-Westfalen hat noch viel vor, um eine moderne Gesellschaft der Vielfalt zu gestalten und stärker zu machen. Es weiß dabei viele und starke Partner in der Zivilgesellschaft auf seiner Seite.

S.E Ahmet Başar Şen, seit kurzem neuer Botschafter der Republik Türkei in Deutschland, hielt seine erste Ansprache im neuen Amt als Botschafter. Darin sprach er Nordrhein-Westfalen zunächst sein Beileid und Mitgefühl für die Opfer der Flutereignisse vom Juli 2021 aus.         

Nordrhein-Westfalen, so der Botschafter, das die meisten türkeistämmigen Menschen in Deutschland beheimatet, ist ein Bundesland, zu dem die Türkei sehr gute Beziehungen pflegt. Er dankte der Landesregierung für ihre Beiträge zu gelebter Integration. Es sei kein Zufall, dass Nordrhein-Westfalen zum 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens eine aktive Rolle spiele.

Dieses Anwerbekommen war zunächst eine Antwort auf einen konketen wirtschaftlichen Bedarf, aber er hatte auch weitreichende soziale und kulturelle Folgen. Nach einer zweitägigen Zugreise kamen anfangs 6.500 türkische Männer in die Bundesrepublik. Heute leben hier über drei Millionen Türkischstämmige und bilden die größte Migrantengruppe in Deutschland. Sie leisten einen signifikanten Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Auch halfen sie Deutschland bei der Etablierung von Multikulturalität und der Türkei bei der Wirtschaft und der Öffnung und Annäherung an die westliche Welt und Europa. Inzwischen haben türkische Einwanderer in der Wirtschaft und anderen Bereichen wie der Politik, der Wissenschaft, der Kunst oder im Sport wichtige erfolge erzielt und bringen sich mit Fleiß, Ideen und Investitionen ein. Mit Özlem Türeci und Uğur Şahin haben zwei Menschen gezeigt, dass sie hervorragendes leisten können. Sowohl in Deutschland wie in der Türkei ist man stolz auf die Gründer von BioNTech, das den ersten Corona-Impfstoff entwickelte.

Die Türkei der 1960er und 1970er Jahre, so der Botschafter, war von Isolation und eine schwachen Wirtschaft geprägt. Überweisungen von türkischen Familien aus Deutschland waren eine wichtige Quelle für Angehörige in der Türkei. Zudem leisteten Rückkehrer einen wichtigen Beitrag für die türkische Wirtschaft. Der Botschafter mahnte aber auch, die dunklen Ereignisse der 60jährigen Einwanderungsgeschichte nicht zu vergessen. Etwa 50 Menschen sind rassistischen Anschlägen zum Opfer gefallen. Die Erinnerungen etwa an Solingen oder Mölln sind ebenso schmerzlich wie lebendig. Die Bedrohung durch Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und antimuslimische Hassverbrechen isr real. Viele Einwanderer sind nach wie vor Alltagsdiskriminierung ausgesetzt. Daher gilt es, alle Formen von Hass und Gewalttaten mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Jeder sollte sich dort, wo er zuhause ist, sicher fühlen.

Aber das Fazit ist sehr positiv: Die persönlichen Bindungen zwischen Deutschland und der Türkei sind sehr gefestigt und bilden die zentrale Dimension der deutsch-türkischen Beziehungen. Sie sind der gemeinsame Reichtum. Und Nordrhein-Westfalen, so der Botschafter, ist ein zuverlässiger Partner für das Wohlergehen dieses gemeinsamen Reichtums.

Die Keynote unter dem Titel „Heimat im Plural. Integration türkischstämmiger Zuwanderer: Erfolg oder Scheitern?“ steuerte Prof. Dr. Hacı-Halil Uslucan bei, Wissenschaftlicher Leiter Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) in Essen. Migration heute unterscheidet sich von der Migration früher Jahrzehnte. Es gibt weltweit immer mehr Migration und gewissermaßen eine Globalisierung der Migration, die immer mehr Länder betrifft mit einem Mix von Migrationsmotiven. Auch gibt es keine klare Unterscheidung mehr zwischen Ein- und Auswanderungsländern. Festzustellen ist auch eine Feminisierung der Arbeitsmigration. Der Anteil an Frauen unter Migranten wächst weltweit.

Nach dem Integrationmodell von John W. Berry spielt sich Integration gemessen am Kontakt anderen Gruppen und zur eigenen Identität zwischen Segregation, Integration, Assimilation und Marginalisierung ab. Über 80 Prozent der Zuwanderer und Einheimischen verfolgen dabei eine Strategie der Integration. Politik kann Integration auf mehrfache Weisen steuern: klassisch regulativ durch Normsetzung, distributiv durch Geldverteilen, sie kann Initiativen starten, die Kooperation migrantischer Organisationen fördern, persuasiv eine Willkommenskultur animieren oder dazu einladen, die Partizipation stärken. Das heißt aber: Das Einwanderungsrecht ist nur ein Aspekt der Steuerung unter vielen.

Die Altersstruktur unter Migranten ändert sich. Es gibt mehr Senioren, mehr Ledige, weniger Kinder, mehr Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte, was einer Angleichung an die allgmeine Demoskopie in Deutschland entspricht. Keine Angleichung hingegen gibt es bei der Religiosität. Der Anteil hochreligiöser Menschen steigt sogar, während der Einfluss von Religion auf die Integrationsleistungen indes überschätzt wird. Heute haben Zugewanderte mehr Freizeitkontakte zu Einheimischen als früher. Diskriminierung ist nach wie vor eine Wirklichkeit Türkeistämmiger. 60 Prozent geben an, im letzten Jahr Erfahrungen der Ungleichbehandlung gemacht zu haben.

Sein Fazit: Sowohl Deutschland als auch die Türkei sind identitässtiftende Fixpunkte. Verbesserungen gibt es bei der Angleichung in Schulbildung und mehr Interaktion mit Einheimischen. Debatten über Loyalitäten und Zugehörigenkeiten laufen aber ins Leere, denn: Man kann mehrere Heimaten haben, Heimat hat einen Plural.
 
In der anschließenden Diskussionsrunde berichtete Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, über ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Ihr Vater war türkischer Bergmann, der 40 Jahre unter Tage arbeitete, ohne auch nur einen Tag krank zu feiern. Sie bestätigte: Die erste Generation wurde viel gekränkt, obwohl sie deutschland eine große Wertschätzung entgegenbrachte und dankbar für die Chance war, Geld zu verdienen. Die Kinder konnten zur Schule gehen und die Familien hatten Zugang zum Gesundheitssystem. Die erste Einwanderergenaration musste alleine klar kommen. Sie hatte keine Angebote von Sprach- oder Integrationskursen, sondern harte Schichten am Band zu leisten und konnten darüber hinaus kaum noch die Sprache des neues Heimatlandes lernen. Güler wies daraufhin, dass es das A und O der Integrationspolitik sei, sowohl strategisch wie auch symbolisch vorzugehen. Zur strategischen Komponente gehören Sprachkurse, der Zugang zu Bildung, zum Arbeitsmarkt aber auch status- und aufenthaltsrechtliche Fragen. Die erste Generation hatte diesen Zugang zum Arbeitsmarkt, der für Migranten heute etwa durch Kettenduldungen oder Arbeitsverbote nicht selten verwehrt wird. Arbeitgeber wissen oft nicht, wie lange ein Bewerber in Deutschland bleiben wird und darf. Die symbolische Komponente betrifft Anerkennung, Wertschätzung, Vorbilder und Zeichen und sind in ihrer Unterstützungwirkung nicht zu unterschätzen.

Dr. Alexandra Nocke, Projektleiterin und Mitglied des Kuratorenteams des Ausstellungsprojektes „Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990“ berichtete, wie sie und ihr Team das große Konvolut an Fotografien gesichtet, Aufnahmen ausgewählt und für die Ausstellung aufbereitet haben. Die Ausstellung, die die inhaltliche Diskussion flankierte, wird nach Essen auch in Hamburg, Berlin und in der Türkei zu sehen sein. Sie will der ersten Einwanderergeneration ein Gesicht geben und zugleich eine Brücke in die Gegenwart schlagen.

Prof. Dr. Elisabeth Tietmeyer, Direktorin Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, stellte fest, dass Museen der Gesellschaft stets hinterherhinken und über einen Ballast an Sammlungen verfügen, die dem Mainstream entsprechen. Museen, so Tietmeyer, haben die Diversität der Gesellschaft lange nicht erkannt. Vielmehr müssen sie in Zukunft Plattformen und Foren bieten, wo Menschen zusammenkommen können, Grenzen überwinden miteinander sprechen und einander zuhören. Museen sollten ihre Sammlungen weiterentwickeln für eine plurale Erinnerungskultur. Dazu sollte man nicht allein Spezialmuseen für Zuwanderung und Integration schaffen, sondern dahin kommen, dass auch normale Museen das Thema, wo es denn passt, aufnehmen und einbauen.

Ali Can, Sozialaktivist, Autor und Leiter des VielRespektZentrums in Essen begrüßte den Aktivismus der jungen Generationen. Der Antirassismus der heutigen Zeit ist ein Stück Vergangenheitsbewältigung, der Schmerz der Eltern Motor für die jungen Menschen heute. Das ist laut Can eine gute Entwicklung. Auch die Politik hat sich geändert. Gab es vor einigen Jahrzehnten noch Angebote von Prämien für Rückkehrer, so ist dies heute undenkbar.

Kritisch sieht Can ein unreflektiertes Sprechen über Integration und eine immer noch zutiefst paternalistische Haltung, die damit verbunden ist. Es herrscht das Bild, dass sich eine Mehrheitsgeselschaft anmaßt, Schablonen an Menschen anzulegen und eine Richterperspektive über die Frage einzunehmen, wer zu Deutschland passt. Eine moderne Definition von Integration müsse aber lauten, dass man auch Fehler machen darf und nicht nur die Leistungsfähigen dazu gehören dürfen. Bemerkenswert sei auch die festzustellende Konkurrenz zwischen „integrierten“ Migranten und neuen Migranten. Ein Phänomen das beim Brexit stark zu beobachten war, als etablierte Einwanderergruppen den Brexit befürworteten, um neue Einwanderung zu verhindern.

Prof. Uslucan bestätigte: Die dritte und vierte Einwanderergeneration lässt sich Diskriminierung weniger gefallen. Im Gegensatz zu ihren Eltern oder Großeltern rebellieren sie früher. Das ist durchaus ein Zeichen gesellschaftlichen Erfolges, denn es bedeutet, dass die junge Generation Gleichheitsgrundsätze viel stärker verinnerlicht hat. Hat noch die erste Generation ihr Leben in Deutschland mit dem in der Türkei verglichen, so vergleichen Menschen der dritten und vierten Generation sich mit den anderen Menschen hier, denn sie sind und fühlen sich als Bürger dieses Landes.

Staatssekretär Dr. Mark Speich, Leiter der Landesvertretung, wies zum Ausklang darauf hin, dass die 60jährige Geschichte türkischstämmiger Menschen und Deutschland nicht nur Wirtschaftsgeschichte sei, sondern zugleich eine humane, kulturelle und freundschaftliche Dimension habe. Dies sei in der Veranstaltung deutlich geworden. Und diese Geschichte ist nicht nur romantisch mit rosarotem Zuckerguss überzogen, sondern beinhaltet auch Schmerz und Kränkungen, aber auch Glück, Hoffnung und Dankbarkeit. Eine doppelte Dimension, die teilweise auch in den Bildern zu erkennen ist. Um mit der amerikanischen Publizistin Susan Sontag zu sprechen, reicht es, so Speich, nicht aus, sich nur auf den Fotografen zu verlassen, die Bilder müssen auch in einen Resonanzraum wirken. Eine Ermutigung an uns, diesen Resonanzraum möglich zu machen.

Die Moderation hatte Düzen Tekkal, Journalistin, Politologin und Gründerin der Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help.

Zum Fotografen

Im Jahr 1990, 30 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbabkommens, reiste der renommierte Istanbuler Fotograf Ergun Çağatay (1937-2018) nach und durch Deutschland und machte tausende Aufnahmen von türkischstämmigen Menschen in Hamburg, Köln, Werl, Berlin und Duisburg, wo er im Bergwerk Walsum sogar selbst in eine Grube einfuhr. Die Ausstellung „Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990“  ist bis zum 31. Oktober, dem 60. Jahrestag des Abkommens, im Ruhr Museum zu sehen.

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