Hello in the round. You understand my English, or?

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23. November 2021

Hello in the round. You understand my English, or?

Bestsellerautor Peter Littger und „Joeker“ Joe Miller verwickeln uns in die Fallstricke des (D)Englischen

Bei der Premierenlesung von „Hello in the round“ in der Landesvertretung hielten uns Peter Littger und Joe Miller charmant, aber kenntnisreich, kurzweilig, aber profund den sprachlichen Spiegel vor und halfen uns beim Trouble mit unserem Englisch - und wie man ihn shootet.

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Fun(ny) evening

Staatssekretär Mark Speich begrüßte die Gäste in der Landesvertretung zu einem fun evening, oder heißt es funny evening? Auf jeden Fall zu einem sehr unterhaltsamen Abend. Bei der Premierenlesung stellte Bestsellerautor Peter Littger, unterstützt vom Muttersprachler und Journalisten Joe Miller, sein neues Buch Hello in the round vor. Das Englische ist uns in Deutschland zur zweiten Haut geworden. Eine Zwischensprache, die weder Fremdsprache noch Muttersprache ist. Der Versuch, sensibel mit ihr umzugehen, gelingt, so Mark Speich, nicht immer bravourös. Missverständnisse, false friends, Irrtümer und BSE (bad spoken English) lauern allenthalben. Kurios: In der EU ist Englisch nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit keine offizielle EU-Amtssprache mehr. Jeder Mitgliedstaat kann nur eine Sprache benennen. Irland hat das Gälische und Malta Malti als Sprachen benannt. Gleichzeitig bleibt Englisch jedoch die primäre Arbeitssprache in Brüssel.

Hochgestochen? Wir stechen oft hoch daneben!

Peter Littger, gebürtiger Aachener und in Köln aufgewachsen, ist von früh an mit der englischen Sprache in Berührung gekommen. Leidenschaftlich hörte er den Radiosender BFBS, ein britischer Soldatensender der an der Rundfunkverbreitung moderner Musikrichtungen im Nachkriegsdeutschland maßgeblich mitgewirkte. Außerdem besuchte er zeitweise ein Internat im britischen Dover. 2015 lernte er bei einem deutsch-britischen Journalistenaustausch Joe Miller, seines Zeichens Korrespondent der Financial Times und Buchautor, kennen. Mit diesem versierten Muttersprachler in der Hinterhand schickt sich Littger an, die Tiefen und Untiefen der englischen Sprache aus deutschem Munde auszuloten. Oder kurz: Bühne frei für den Denglischen Patienten mit seinen typischen Symptomen.

Hello together

Littger wollte sein Buch eigentlich Hello together nennen. Da viele deutschsprachige Leser dies aber gar nicht als falsches und peinliches Englisch erkannt hätten, fiel die Wahl auf das hoffentlich erkennbar ulkige Hello in the round. Die Ausgangslage: Immer mehr Deutsche sprechen immer besser Englisch, meinen sie. Gleichzeitig behaupten 36 Millionen Deutsche, kein oder nur schlecht Englisch zu beherrschen. Doch diese Kluft wird kleiner. Englisch begegnet uns überall: Auf der Arbeit, in den klassischen und den sozialen Medien, in der Kultur, sogar in der Pandemie. Wir nutzen immer mehr englischsprachige Angebote. Die Kehrseite: Wir fabrizieren auch ziemlichen englischen nonsense. Das kann funny sein, wenn auf dem Münchener Oktoberfest der Kaiserschmarrn kurzerhand zum „Emperor’s Nonsense“ wird. Manches ist auch fake, wenn im Deutschen aus dem happy ending das „Happy End“, aus handshake ein „Shakehands“ oder aus der wild card ein „Joker“ wird. Fancy wird es, wenn man bei einem Freiluftfestival „Klassik airleben“ kann oder sich die Berliner Stadtreinigung mit einem „We kehr for you“ bei den Anwohnern sprachlich anschmiegen will. Die gemeinsamen germanischen Wurzeln führen uns aufs Glatteis, wenn die Fotografin ihr „stative“ statt eines tripod aufbaut, der Personaleingang mit „personal input“ statt staff entrance überschrieben ist, nach einer Sitzung ein „protocol“ anstatt minutes angefertigt wird oder der Chefarzt jahrelang Patienten auf die „station“ anstatt ward bringt. Joe Miller fühlt sich an seine eigenen Gehversuche im Deutschen erinnert. Da Erwachsenen oft Korrektur und Anleitung fehlen, können sich sprachliche Ungereimtheiten lange halten oder sogar verfestigen.

Den Partikelfilter richtig einstellen

Ein vermintes Gelände, sowohl für deutsch sprechende Engländer wie englisch sprechende Deutsche, bilden die so genannten Partikel – kleine eingestreute Wörter und Füllwörter. Im Deutschen gibt es sie zuhauf, doch sind sie, da sind sich Littger und Miller einig, schwer oder nicht übersetzbar und gleichzeitig ebenso mehrdeutig wie bedeutungskonstitutiv: Tja, halt, wohl, eben, ja, eh, mal, ach, so, halt, vielleicht, doch. Wer benutzt sie nicht, besonders in der gesprochenen Sprache? Schon die Beatles haben sich damit herumgeschlagen. Die erste Zeile der auf Deutsch eingesungenen Fassung von I want to hold your hand wartet gleich mit zwei Partikeln auf: Oh, komm doch, komm zu mir! Littger warnt uns vor drei Partikelfallen, in die wir seiner Erfahrung nach immer wieder tappen können: Erstens können sie sich unübersetzt in englische Gespräch schleichen: That’s really intriguing, oder? Zweitens: Grundlos und ohne Verneinungsabsicht den Satz mit einem no zu beginnen. No, I will think about it. Drittens: Der zum Scheitern verurteilte Versuch, deutsche Partikeln 1:1 zu übersetzen. You understand my English, or? In jedem Falle gilt es, Obacht walten zu lassen und den Partikelfilter richtig einzustellen.

Germanismen

Auch das Englische, wissen Littger und Miller zu berichten, hat fleißig Wörter aus dem Deutschen übernommen. Kurz bilanziert geht es dabei entweder ums Essen oder Krieg. Auch wenn wir aus Fawlty Towers wissen: Don’t mention the war!Blitz(krieg), Achtung, Flammenwerfer, Hinterland oder Herrenvolk haben es prominent in die englische Sprache geschafft. Manchmal schießen aber auch die Engländer übers Ziel hinaus. Den vermeintlich deutschen Ausdruck wisenheimer kennt man in Deutschland ersichtlich nicht. Er bezeichnet a person who behaves in an irritatingly smug or arrogant fashion, typically by making clever remarks and displaying their knowledge – oder kurz: den Klugscheißer. Überhaupt stehen charakterliche Eigenheiten bei den Germanismen hoch im Kurs, sei es bei der berühmten Schadenfreude, dem Galgenhumor oder dem Aberglauben. 2005 traf Littger Boris Johnson, der damals Redakteur von The Spectator war und sich des Deutschen mächtig pries. Der Versuch, eine Plauderei auf Deutsch zu führen, verfing nicht so recht. Mehr als: Ja, so sind wir Engländer. / Ja genau. / Mahlzeit! war dem späteren Premier indes nicht zu entlocken.

Vorsicht Komposita

Mit einer Mischung aus Bewunderung und Furcht blicken Briten auf die Fähigkeit des Deutschen, Komposita, also zusammengesetzte Wörter, zu bilden. Zu den Lieblingen von Joe Miller gehören etwa: systemrelevant, Buchpreisbindung, beziehungsunfähig. Im Scrabble haben Deutsche damit durchaus einen Vorteil. Manche Komposita haben als Germanismen Einzug in die englische Sprache gehalten. Zuletzt die energiepolitischen Ausdrücke Atomausstieg und Energiewende. Seit 2020 kennt das Oxford English Dictionary auch die Currywurst. Man fragt sich: Warum erst so spät? Wenn das kein Wurst-case-scenario ist!

Pandemisches Englisch

Mit der Pandemie überrennt nicht nur ein hinterhältiges Virus unser Heimat, sondern ein neuer englischer Sprachschwall gleich mit: Das Covid-Englisch. Ausdrücke wie superspreader, booster, long covid, flatten the curve oder home schooling sind sprachlicher Alltag geworden. Doch auch hier lauern Fallen. Das englisch anmutende „Home Office“ ist ein Anglizismus, mit dem Muttersprachler eher das britische Innenministerium assoziieren. Im Englischen sagt man remote work oder schön verbal und für die E-Mail abkürzbar IWFH (I work from home).

Gin ohne Tonic

Nach so viel Auf und Ab in der deutsch-englischen Hügellandschaft blieb Staatssekretär nur der gut gelaunte Dank an die beiden Protagonisten. Als Präsent überreichte er ihnen durchaus passend und die Brücke schlagend einen preisgekrönten Gin aus dem Rheinland. Na dann: Cheers!


Peter Littger, geboren 1973 in Aachen, war Redakteur der ZEIT und ein Gründungsredakteur des Magazins Cicero. Littger verfasst Kolumnen für n-tv.de sowie Videokolumnen für spiegel.de. Seine Buchreihe »The devil lies in the detail – Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache« führte mehrere Wochen die Bestsellerlisten an.

Joe Miller ist Korrespondent der Financial Times in Frankfurt. Zuvor arbeitete er bei der BBC in London, und als Korrespondent in New York, Berlin und Neu-Delhi. Joe Miller hat bei der BBC ebenfalls als Enthüllungsjournalist an den Paradise Papers gearbeitet. Er hat einen Abschluss in Englischer Literatur der Universität Leeds. 

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